Kriegsende

Aus Braunau History
Version vom 10. Mai 2016, 10:54 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge) (Die Hinrichtung von Georg Hauner aus Simbach/Inn)

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Das Kriegsende 1945 am Inn [1]

Major Wilhelm Grünwaldt, der erst wenige Tage vor Kriegsende nach Braunau gekommen und als Stadtkommandant eingesetzt war, hatte die Sinnlosigkeit einer Verteidigung der Stadt erkannt und in einer Lagebesprechung am Abend des 1. Mai seine Absicht kundgetan, die Truppe aus Braunau in den Raum Burgkirchen zurückzuziehen, wohin er auch noch für die Nacht die Verlegung des Feldlazarettes anordnete.

Er hat dann an jenem denkwürdigen Vormittag des 2. Mai 1945 nach Anhören der ihm von Braunauern vorgetragenen Argumente und Bitten und auf den Rat der meisten Offiziere seines Stabes hin - mit Ausnahmen zweier Offiziere, Hauptmann Felix und Oberleutnant Lippert - der von den Amerikanern ultimativ geforderten Übergabe der Stadt bis 12 Uhr mittag, widrigenfalls sie zerstört werde, befehlswidrig und damit auch unter Einsatz seines Lebens zugestimmt. Vielen Leuten von heute erscheint es rückblickend auf dem allgemeinen Verlauf des Kriegsende am In im Jahre 1945 nicht begreiflich, wieso es in Braunau noch zu der dramatischen Situation einer Kapitulation unter Androhung der Zerstörung gekommen sein sollte, und sie halten die Geschichte von dem Ringen um die Kapitulation und damit die Errettung der Stadt nach dem Kriegsverlauf als eine aus den Ängsten jener Tage geborene Übertreibung...Bei dem völligen Zerfall des Widerstandes und der Auflösung der Wehrmacht, wäre die Stadt ohnehin, wie das Land ringsum, praktisch kampflos in die Hände der anrückenden amerikanischen Truppen gefallen...Der allgemeine Kriegsverlauf hätte dies zweifellos möglich gemacht - und darauf war ja die Absicht Major Grünwalds abgestimmt, die Stadt nicht zu verteidigen, sondern die Truppe in den Raum Burgkirchen zurückzuziehen: Die Amerikaner hätten über die heil gebliebenen Brücken - so die von Tittmoning und Burghausen und die unversehrten befahrbaren Staudämme der Innkraftwerke Ering und Obernberg - Braunau, nachdem hier am 1. Mai beide Innbrücken gesprengt worden waren, ohne ernstlichen Widerstand von hinten umgehen und besetzen können.

Dass dies nicht geschehen ist, dass die Amerikaner eine ganze Division gegen Braunau von der bayerischen Seite des Inns her einsetzten und die Übergabe der Stadt unter Androhung ihrer Zerstörung forderten und durchsetzten, kann nur aus dem Mythos der Stadt Braunau als Geburtsstadt Adolf Hitlers erklärt werden....Vielleicht hängt dies noch mit den erst in seinen letzten Tagen - 23. April - von Hitler ausgegebenem Plan der "Alpenfestung", mit dem Kern des Obersalzberges zusammen. Braunau gehörte zu dieser "Alpenfestung" und das alte Gutshaus in Osternberg, bekannt als Sitz des Malers und Heimatforschers Hugo von Preen, war als Sitz des Reichspropagandaministers Goebbels ausersehen gewesen!

Im Zusammenbruch der deutschen Fronten hatten sich zuletzt die Kriegsereignisse überstürzt. Offenbar hatten die Amerikaner in Braunau auch wegen des Mythos der Stadt als Hitler Geburtsstadt noch einen stärkeren, verzweifelten Widerstand erwartet, für den die amerikanische Armeeführung keinen Mann zu opfern bereit war. Dafür gibt es Beispiele. (So wurde die Stadt Neumarkt in der Oberpfalz, als einrückende US-Einheiten durch eine Hand voll NS-Funktionäre beschossen wurden, durch einen Luftangriff weitgehend zerstört). [2]

Letzter verzweifelter Widerstand

Zum Verständnis der Lage und Ereignisse der letzten Kriegstage ist daran zu erinnern, daß die oberste Kommandogewalt nicht mehr in den Händen der Wehrmacht, sondern der Gauleiter als Reichsverteidungskommissar lag, im Gau "Oberdonau" (Oberösterreich) in den Händen des Gauleiters Eigruber, der zu jenen NS-Führern gehörte, die sich in eine Untergangspsychose geflüchtet hatten, in der sie alles mit sich in den Untergang reißen wollten.

Die erste Entscheidung für den verzweifelten letzten Widerstand in Braunau traf Reichsverteidigungskommissar Gauleiter Eigruber einige Wochen vor dem Eintreffen der US-Truppen am Inn durch den Befehl zur Brückensprengung. In einem von einer Gewährsperson des Verfassers, die am Telefonamt Braunau kriegsdienstverpflichtet war, abgehörten Telefongespräch hatte Gauleiter Eigruber dem zuständigen Wehrmachtsoffizier in Braunau...befohlen: "Die Brücke wird gesprengt und sie wird stärker denn je vorher geladen", war auch geschah, wie die verheerende Sprengwirkung vom 1.Mai erwies, wobei nicht alle Sprengbomben in die Luft gegangen waren...

Eigruber hatte sich auch bei den Verhandlungen um die Übergabe der Stadt am Vormittag des 2. Mai diesen hartnäckig verweigert und war auf ihrer Verteidigung beharrt: "Braunau ist unter allen Umständen zu halten. Wie, das ist mir gleich!" Der Reichsverteidungskommissar beharrte auf diesem selbstzerstörerischen Befehl trotz der Schilderung der militärischen Lage, die die Sinnlosigkeit dieses Befehls klarlegte. Es liefen an diesem Vormittag ständig Meldungen von Massendesertationen ein. Die schlecht bewaffneten und mit nur wenig Munition ausgerüsteten kümmerlichen Reste der Wehrmacht befanden sich in voller Auflösung. Auch diese Massendesertationen waren gewiß durch die Nachricht von Hitlers Tod beschleunigt worden.

Kreisleiter Fritz Reithofer, der von den Braunauern, darunter Parteifreunden, bedrängt wurde, die Stadt und ihre Bewohner vor der angedrohten Zerstörung als Folge sinnlosen Widerstandes zu bewahren und sich für ihre Übergabe einzusetzen, versuchte offenbar, angesichts der gnadenlosen, fanatischen Haltung des Gauleiters, der wenige Tage vorher den Leiter des Linzer Gau-Arbeitsamtes, der sich nach Braunau abgesetzt hatte, hängen hatte lassen, zu lavieren. Er hat aber nicht, dem Gauleiter folgend, sich dem Drängen der Braunauer nach Widergabe widersetzt. Sein Lavieren allerdings stieß auf den Unmut der Leute, die vor der Salzburgertor-Kaserne für die Übergabe der Stadt demonstrierten, und der dafür im Dienstzimmer des Stadtkommandanten eintretenden Männer. Mit dem Vorrücken des Uhrzeigers stieg die Aufregung und es begann sich schon die Menge zu lichten, um aus der Stadt zu fliehen oder in Luftschutzkellern Zuflucht vor der drohenden Beschießung zu suchen.

Sein Versuch, etwa eine halbe Stunde vor Ablauf des Ultimatums in einer mit sentimentalen Erinnerungen verbundenen Ansprache die Leute mit der Ankündigung eines "Herausgehens der Truppe aus der Stadt - anstatt einer Übergabe" zu beruhigen, schlug fehl. Er wurde von der die Übergabe fordernden Menge niedergebrüllt und von innen her vom Fenster zurückgerissen. Ein anderes Fenster wurde geöffnet und von ihm aus verkündete der mit anderen Männern beim Stadtkommandanten vorsprechenden Schlossermeister Unterfurtner das erlösende Wort: "Wir fahren jetzt nach Simbach und übergeben!" Das war knapp vor 12.00 Uhr mittags.

Die Übergabe der Stadt Braunau an die Amerikaner

Auf Anraten des Adjutanten von Major Wilhelm Grünwaldt, Hauptmann Danzinger, fuhr die zivile Übergabedelegation voraus nach Simbach, um den amerikanischen Befehlshaber zu bitten, die Stadt nicht zu beschießen. Diese zivile Übergabedelegation stieß 3 Minuten vor 12 Uhr mit einer Zille vom Braunau Ufer ab, um den hochgehenden Inn nach Simbach überzusetzen. Als Fährmann lenkte Hubert Poitner die Zille. Gemäß den Forderungen des Ultimatums gehörten der Delegation an: Für den nicht auffindbaren Bürgermeister Berger der Stadtoberinspektor Kuen, Stadtrat Bäckermeister David und Polizeileutnant Hartner.

In einer zweiten Zille fuhren Hauptmann Franz Danzinger als militärischer Parlamentär, den auf sein Ersuchen Major Wilhelm Grünwaldt dazu bevollmächtigt hatte, als Dolmetscher Leutnant Platt und von den Männern, die bei den Besprechungen um die Übergabe in der Kaserne anwesend waren, Schlossermeister Unterfurtner und Lokführer Hans Grabner.

General Augur nahm das Anerbieten Major Grünwalds, die Stadt "auszusparen", als militärische Erfüllung der Übergabe an. Die im US-Hauptquartier, das sich in der Apotheke in der Innstraße in Simbach befand, getroffene Vereinbarung sah vor, daß sich die deutschen Truppen auf eine Linie 3 Kilometer südlich Braunau zurückziehen und in dem Dreieck, gebildet durch die Mattig, die Linie von Aching nach Ranshofen und von da zum Inn, ab 15.30 Uhr kein Widerstand mehr geleistet werde.

Die zivile Delegation hatte die Aufrechterhaltung der Versorgungseinrichtungen zu gewährleisten und der Bevölkerung die anbefohlenen Verhaltungsmaßnahmen bekannt zu geben, was Polizeileutnant Hartner um 13.00 Uhr vor dem Rathaus tat: "Wird aus einem Haus auf amerikanische Soldaten geschossen, wird dieses Haus eingeäschert und alle Männer im Hause werden erschossen. Nach 17 Uhr darf sich kein Zivilist mehr auf den Straßen befinden. Alle Waffen, auch Jagd- und Luftdruckgewehre, sind abzuliefern, alle Fahnen und Embleme des Dritten Reiches sind einzusammeln."

Die Besetzung ab 15 Uhr vollzog sich ohne Zwischenfall. Die Soldaten waren teils über die Trümmer der beiden Brücken, teils in Schlauchbooten übergesetzt. Der erste Amerikaner, der die Stadt Braunau am Brückenkopf betrat, war ein Kriegsreporter. [3]

Hitlers Geburtshaus sollte gesprengt werden

Die Untergangspsychose...führte noch nach der Übergabe und Besetzung der Stadt am Nachmittag des 2. Mai zu einem blutigen Abenteuer. Gauleiter Eigruber hatte einer kleinen Kampfgruppe befohlen, in die Stadt Braunau einzudringen und Hitlers Geburtshaus in die Luft zu sprengen. Der Wagen wurde, als er um die Kurve bei der Arbeiterkammer bog, von einem an der Ecke Ring-Salzburger Straße stehenden amerikanischen Posten unter MG-Feuer genommen. Der Wagen kehrte um und flüchtete stadtauswärts. Durch den Beschuß waren zwei Mann des Stoßtrupps getötet und einer schwer verletzt worden. Die Überlebenden warfen bei der Straßenkreuzung in Lach die beiden Toten aus dem Wagen und legten den Schwerverwundeten darauf. Der Bauer Metz wollten den Schwerverwundeten in sein Haus führen. Auf dem Weg dahin erschoss sich dieser aber mit seiner Pistole. Daraufhin legte Metz den Toten zu den anderen beiden Leichen.

Nach vier Tagen wurden die Leichen von einem amerikanischen Auto Richtung Ranshofen weggefahren. Am 16. Mai 1946 wurden sie in der Aluminiumhütte Ranshofen in einem Schlackenhaufen aufgefunden. Bei den Toten handelte es sich um den HJ-Führer Hans Hellwagner aus Ried, um den SS--Scharführer König aus Niederösterreich und Johann Schutz aus Wimsbach. [4]

Major Wilhelm Grünwaldt: Teildarstellung über Braunau, Mai 1945 [5]

Hauptmann Franz Danzinger: Wie ich das Kriegsende in Braunau erlebte [6]

Anton Platt: So erlebte ich die Übergabe der Stadt Braunau

April 1945 war ich in die Garnison Braunau zurückgekehrt. Hinter mir lag ein Einsatz des Braunauer Jäger-Ersatzbataillons II/482 am Südostwall/Raum Oberpullendorf, mit sehr tragischem Ende: Ostern 1945 hatten dort, im Chaos des Rückzuges vor den Russen, führungstechnisches Unvermögen und mangelnde Zivilcourage ca. 200 Innviertler Rekruten im Knabenalter dem sicheren Ende überantwortet. Von diesem Erlebnis zutiefst erschüttert wollte ich mich hier in Braunau, angesichts der nahenden US-Front, wenn möglich nützlich einbringen und vielleicht auch Unheil verhüten helfen. Deshalb bat ich den Bataillons-Adjutanten Lt. Baier um eine entsprechende, möglichst selbständige Funktion, abseits des Truppendienstes und Vormerk meiner profunden englischen Sprachkenntnisse. (Für den Fall des Falles...“)

Als Funktion wurde die ziemlich nutzlose „Inspektion der Panzersperren im Kreise Braunau“ bestimmt, die das einzig Positive hatte, dass ich durch diese Tätigkeit zu Planungs- und Koordinations-Besprechungen zwischen Partei- und Wehrmacht beordert wurde. Beim Thema „Militärische Sicherung des Postamtes“ sah ich eine Chance zu handeln. Ich bot mich gleich selbst für diese Aufgabe an und wurde auch damit betraut.

Die Damen der Telephon-Zentrale, denen die Aufrechterhaltung der Verbindungen oblag, bat ich, Bettzeug in die Post mitzubringen, damit ein 24-Stunden-Dienst eingerichtet werden konnte. Sie haben tapfer in dieser ungewöhnlichen Situation ausgeharrt und den wichtigen Betrieb voll aufrecht erhalten. Dieser sehr wesentliche Beitrag der Damen an der Rettung der Stadt verdient gebührend hervorgehoben zu werden! Wie mag ihnen zu Mute gewesen sein, wie haben sie gebangt, wenn sie die Weisungen von ‘‘‘Gauleiter Eigruber‘‘‘ zur Brückensprengung oder gar den Befehl, Braunau unter allen Umständen zu halten, mithörten?

Von dem dramatischen Ringen um die Durchsetzung des Bürgerwunsches zur Übergabe der Stadt bekam ich im Postamt nur fragmentarisch mit, was bei der Leitungserstellung anfiel. Als mich der Befehl, sofort zur Brücke zu eilen - „es sei keine Minute zu verlieren“ - erreichte, war mir noch nicht gesagt worden, was ich dort tun sollte. Am Ufer atemlos angekommen gab es keine Sekunde zum Überlegen. Hauptmann Danzinger bedeutete mir, unverzüglich zu ihm in die sonst nur von Zivilisten besetzte Zille zu steigen, und schon legte der Bootsführer in Richtung Simbach ab. Im Strom sah ich eine Zille, die vor uns abgelegt hatte, gegen den sehr rasch fließenden Fluss ankämpfend, Richtung auf Simbach halten. Während der Überfahrt erfuhr ich, dass die Besatzungen der zwei Zillen Braunau kampflos den US-Truppen übergeben würden: Maj. Wilhelm Grünwaldt, der Stadtkommandant, habe Hptm. Danzinger zum militärischen Parlamentär bestimmt, zu diesem Schritt ermächtigt, und ich solle dolmetschen. Alle an Bord - außer mir - waren schon ordnungsgemäß mit einem Stück weißem Tuche versehen. Mir musste ein Stück Gaze aus dem Verbandspäckchen um den Oberarm gelegt werden und musste genügen, es ist aber an Land prompt verloren gegangen.

Am Simbacher Ufer landeten wir etwas links von der Brückenauffahrt und unser kleiner Trupp vereinigte sich, stadtwärts gehend, mit der Besatzung der anderen Zille. Voran Hptm. Danzinger mit einem Zivilisten und ich. Aus einer Äußerung Danzingers entnahm ich, dass ihm im Augenblick ebenso mulmig war wie mir. Die Straße nach Simbach schien menschenleer. Doch noch einigen Schritten zeigte sich uns der erste US-Soldat, der hinter einem Baum in Deckung gestanden hatte. Er hieß uns unmissverständlich stehen zu bleiben und fragte mit angelegter Waffe, wohin wir wollten. Hptm. Danzinger salutierte, verwies auf seine weiße Binde und erklärte: „Wir sind Parlamentäre! Wir sind gekommen, um die Stadt Braunau an euren General zu übergeben! Wo finden wir ihn?“ Ich übersetzte. Der Soldat, jetzt offensichtlich sehr entspannt und von unseren friedlichen Absichten überzeugt, stellte sein Gewehr bei Fuß und wies mit der Hand lässig winkend, in Richtung der Stadt: “Immer nur gerade aus!“ „Schon recht, aber wo finden wir dort den General?“ fragte ich dringlich nach, denn wir wollten keine wertvolle Zeit mit der Suche verlieren! Da trat der Posten ein paar Schritte näher und antwortete mit einer Gegenfrage im besten US-Army Jargon: “Schon ´mal einen General in vorderster Linie gesehen, Buddy?“

Diese so menschliche Reaktion bei der ersten Begegnung mit dem US-Militär lockerte die latente psychische Spannung unserer Gruppe auf. Wir gingen jetzt mit Zuversicht weiter, überzeugt vom guten Gelingen unserer Mission! Irgendwie, ich weiß heute nicht mehr Bescheid wie, hatte ich in Erfahrung gebracht, der General habe seinen Gefechtsstand in der mir bekannten Apotheke in der Innstraße bezogen. Dorthin zogen wir und wurden seit der ersten Begegnung nicht mehr aufgehalten oder nach Waffen durchsucht. Wie es geschehen konnte, weiß ich bis heute nicht: Ich verlor plötzlich die Gruppe! Stand vor der mir bekannten Apotheke, ging hinein, um kurz Erkundigungen einzuziehen. Der General sei im Schlafzimmer im ersten Stock etabliert, wurde mir beschieden.

Um die Gruppe rasch einweisen zu können, wollte ich mir Ortskenntnis verschaffen, gelangte im ersten Stock durch einen Raum mit Soldaten, an dessen Ende ein einzelner Soldat in einem Nebenzimmer schreibend saß. Ihn wollte ich fragen: Es war der General persönlich! Völlig verdattert stotterte ich herum, wusste vor Verlegenheit zunächst nicht, wo und wie ich beginnen sollte: Wir seien gekommen, um die Stadt Braunau zu übergeben, sagte ich. Die Anderen würden gleich auftauchen, ich sei nur der Dolmetscher, habe keine militärische Vollmachten etc.! Der General, meiner Verlegenheit bewusst, nickte nur sehr gönnerhaft, hieß mich Platz nehmen und befahl mir, ihm auf der vorgelegten Landkarte zu zeigen, wie weit sich die deutschen Truppen schon zurückgezogen hätten. Ich bedauerte, aus Unkenntnis der aktuellen Lage nicht mit konkreten Angaben dienen zu können, versicherte ihm aber, dass die Truppe schon weitestgehend in Auflösung sei und meines Wissens ein Raum südlich Braunau bis zum Schießplatz im Lachforst truppenfrei gehalten werde. Ich zeigte die Stelle auf der Karte. Mir war dabei nicht wohl zu Mute, konnte ich doch nichts Verbindliches zusagen. Doch die Ruhe und menschliche Wärme die der General vermittelte, blieb nicht ohne Wirkung auf mich, den noch nicht 23-jährigen. Der General wechselte das Thema und erkundigte sich, wo ich herkäme etc. Mitten in meine Erklärungen hinein kam endlich unsere Gruppe, angeführt von einem US-Soldaten, der sich als der Dolmetscher der Panzereinheit entpuppte und fortan die Gespräche übersetzte. Die offizielle Übergabe konnte endlich vollzogen werden. Nach der Verabschiedung hörte ich noch halblaut des Generals vorwurfsvolle Bemerkungen an den Stab, dass die militärischen Parlamentäre ohne Eskorte und Augenbinde bis zu ihm vordringen konnten.

Auf dem Wege zurück an den Inn begleiteten unsere Gruppe einige US-Soldaten, darunter ein sehr jovialer Oberleutnant, der sich interessiert über meine Erfahrungen an der Ostfront und über die Stimmung und Lebensbedingungen der Braunauer Bevölkerung erkundigte. Auch begann er über sich zu plaudern, als wären wir alte Bekannte...!

Zurück in Braunau sagte Hptm. Danzinger, er suche jetzt den Gefechtsstand von Major Grünwaldt auf, den er bei Burgkirchen vermute. Ich solle dorthin per Rad nachkommen. Zuvor möge ich den Soldaten am „Sammelpunkt / Schießstätte Lachforst“ die vollzogene Übergabe und die Bedingungen bekannt geben. Ich fuhr per Rad hin, fand einen gemischten Trupp aus Einsatzmüden, Versehrten und pflichtbewusst Kampfesbereiten samt Offizieren vor. Ich berichtete und wurde sofort wegen der Teilnahme an der Übergabe als „Wehrkraft-Zersetzer“ mehrfach hart bedroht. Verstärkungen seien im Anmarsch, um Braunau zurück zu erobern. Laut Befehl dürfe niemand den Sammelpunkt verlassen. Alle Hinweise darauf, dass dies gegen Kriegsrecht verstoße, also ein tödliches Risiko darstelle, wurden in den Wind geschlagen. Ich zog vor, keinen Helden zu spielen und abzuwarten. An der Strassengabelung Neue Heimat - Ranshofen musste ich dann leider noch Zeuge des unseligen, abendlichen Angriffs auf Braunau werden. Da ich mich auch tags darauf in Braunau nicht sicher fühlte, radelte ich nach St. Johann am Walde, wo ich vorübergehend Zuflucht fand. Nach kurzer Zeit endete dann im Reservelazarett Mauerkirchen endgültig auch diese Episode meiner Militärzeit. [7]

Joseph W. Eaton: Wie Hitlers Heimatstadt den Krieg beendete[8]

Am 1. Mai 1945 näherten sich amerikanische Truppen dem Inn auf der gegenüberliegenden Seite Braunaus. Die Wehrmacht sprengte die Brücke, um die fremden Soldaten davon abzuhalten, den Fluss zu überqueren. Die Amerikaner versammelten Artillerie und Flugzeuge und stellten ein Ultimatum: „Ergebt euch bis morgen Mittag – oder ihr werdet zerstört.“
Anfangs appellierte Kreisleiter Fritz Reithofer an die Bürger zu kämpfen. Er weigerte sich, das Flehen der Frauen zu erhören, die sein Büro belagerten und ihn baten, keinen Widerstand zuleisten, um so die Stadt nicht in ein Schlachtfeld zu verwandeln, sondern ihr Zuhause zu schützen. Er drohte damit, in die Menge der „rückgratlosen Frauen“ zu schießen, hatte dazu jedoch keine Möglichkeit mehr.
Acht Arbeiter betraten sein Büro und warnten ihn und den befehlshabenden Offizier der Wehrmacht, dass sie den Raum nicht lebendig verlassen würden, sollten sie der Aufgabe der Stadt nicht sofort zustimmen.
Keiner der beiden wollten gegen den „letzten Rest“ ihrer eigenen Leute kämpfen. Also stimmten sie zu. Eine Delegation Braunauer Bürger ruderte über den Fluss, um die Amerikaner davon zu unterrichten, dass Hitlers Heimatstadt ihnen überlassen würde. Sie erreichten das Ufer um drei Minuten vor zwölf! Lediglich drei Minuten später hätte der Beschuss der Stadt begonnen, der sie zu Schutt und Asche hätte werden lassen, wie es in Berlin und Nürnberg passiert war.
Das Geburtshaus Hitlers ist unversehrt. Es steht leer und unbemerkt. Vor 1938, als es von der Nationalsozialistischen Partei übernommen wurde, war es ein gewöhnliches Gasthaus gewesen. Die Nazis renovierten es und wollten es als Museum nutzen. Malern, die die Gunst des Führers genossen, war es dort möglich, ihre Bilder auszustellen. Die Fertigstellung des Museums war der einzige Anlass, zu dem Hitler jemals seine Geburtsstadt besuchte. Er blieb nicht lange, um alte Freundschaften aufleben zu lassen. Er hatte keine.
Hitlers Zuhause aus seiner Kindheit sollte wieder ein Museum werden, in dem alle „Werke“ Hitlers ausgestellt werden sollten – seine Kriege, seine Konzentrationslager, die Ruinen seiner Städte. Bilder und Dokumente sollten zusammengesammelt werden, um zukünftigen Generationen das wahre Werk Hitlers zu zeigen. Das erste Ausstellungsstück eines amerikanisch-jüdischen Sergeanten wurde in Hitlers Geburtszimmer aufgehängt. Er war einer von jenen Menschen, die 1934 aus Deutschland flohen; seine Eltern waren von Hitlers SS-Truppen ermordet worden.
Als der Sergeant Hitlers Geburtshaus betrat, war er verstört über die Leere des Hauses. Er äußerte seine Bedenken, dass, wenn das Haus leer stünde, es zu einem Schrein werden würde, in dem des Führers „Ruhm“ nicht nur bewahrt, sondern sogar vergrößert werden würde. Daher rang er den Stadtvätern das Versprechen ab, das Haus zu einer ewigen Erinnerung daran werden zu lassen, was Hitlers Taten Deutschland und der Welt eingebracht haben.
Als persönlichen Beitrag ließ der Sergeant drei Zitate aus dem Alten Testament, dem Buch, von dem Hitler glaubte, er könne es durch „Mein Kampf“ ersetzen, drucken und rahmen. Bei der Auswahl der Bibelstellen wurde er von katholischen Priestern beraten. Diese Drucke wurden dann in jenem Raum aufgehängt, in dem Hitler geboren wurde.
Dies ist deren Text:

Hört dieses, alle Völker;
merkt auf, alle Bewohner der Welt,
Und sie hinterlassen Fremden ihr Gut
Und Gräber sind ihre Behausungen für immer,
haben sie auch nach ihren Namen ganze Länder benannt.
Und der Mensch in Herrlichkeit hat nicht Bestand,
wird gleich dem Vieh:sie werden stumm gemacht. (Psalm 49: 2, 12, 13)

Er baut sein Haus wie eine Spinne,
und wie ein Wächter seine Hütte macht.
Reich legt er sich nieder, aber wird's nicht noch einmal tun können;
tut er seine Augen auf, dann ist nichts mehr da.
Der Ostwind wird ihn wegführen, dass er dahin fährt;
und wird ihn von seinem Ort hinwegwehen.
Man wird über ihn mit den Händen klatschen
und über ihn zischen, wo er gewesen ist. (Hiob 27: 18-23)

Was hilft uns nun der Übermut? Was bringt uns nun der Reichtum samt dem Prahlen ein?
Es ist alles dahin gefahren wie ein Schatten und wie ein Gerücht, das vorübergeht, wie ein
Schiff, das auf den Wasserwogen dahin fährt:wenn es vorüber ist, kann man seine Spur nicht
mehr finden und nicht die Bahn seines Kiels in den Wellen.
(Buch der Weisheit 5:8-10)

Nachdem amerikanische Truppen am 2. Mai 1945 in Braunau einmarschiert waren, ernannten sie einen Mann mit einer in die Stirn hängenden Haarsträhne und einem Zweifingerbart zum neuen Bürgermeister. Dieser Mann hatte wohl außerordentliche Qualifikationen vorzuweisen, um trotz seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit Adolf Hitler von der US‑amerikanischen Militärregierung auserwählt zu werden. Darüber hinaus war er ein „Rassenschänder“, der Ehemann einer jüdischen Frau. Ich habe nie herausgefunden, ob sie eine der wenigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Braunau vor der Herrschaft Hitlers war, die nicht ermordet wurden.

Es war mir nicht möglich, jemanden ausfindig zu machen, der sich an die Schickelgruber Familie erinnerte. Das war der Name der Familie von Hitlers biologischem Vater. Dieser heiratete Hitlers Mutter nie und ließ ihn so die Kindheit eines unehelichen Sohnes einer finanziell notleidenden Frau durchleben. Die Welt bezahlte teuer für diese unglückliche Kindheit – Hitlers Besessenheit von der Reinheit der Rassen wurde zum am schlechtesten gehüteten militärischen Geheimnis Deutschlands – die sadistische „Endlösung für das jüdische Problem“.

Die Personen, die ich traf, waren nur wenig daran interessiert, über den berüchtigten ehemaligen Bürger ihrer Stadt zu sprechen. Sie zeigten sich aber begeistert über den Umbau ihres großen Aluminiumwerks in ein Reparaturlager für beschädigte Lokomotiven. Die meisten erklärten von sich aus, dass sie niemals Nazis waren, eine Äußerung, zu der viele Deutsche und Österreicher neigten, wenn sie von einem amerikanischen Soldaten befragt wurden. Aktive Parteimitglieder sagten oftmals, dass sie „unter Zwang“ beitreten mussten oder nur so ihre Karriere schützen konnten. Mit vermeintlicher Zuneigung erinnerten sie sich an Juden, die sie getroffen hatten und deren gewaltsamen Abtransport sie miterleben mussten. Sie sorgten sich jedoch vor allem um ihr eigenes Schicksal. Sie hatten den Krieg überlebt und standen vor einer ungewissen Zukunft unter fremder Besatzung. Aber sie hatten schon erkannt,dass die „Amis“ nicht auf Rache aus waren, nicht einmal die jüdischen Soldaten,deren Familien durch die SS oder durch Sondereinheiten der Wehrmacht ausgerottet worden waren. Die amerikanische Regierung regierte nicht mit dem Lauf einer Pistole. Ihre Ziele waren die Entmilitarisierung Deutschlands und Österreichs,die Verhandlung gegen wichtige Kriegsverbrecher vor einem internationalen Tribunal sowie die Bildung einer demokratischen Regierung.

26. April 1945: Luftaufnahmen der Royal Air Force

Die Luftaufnahmen vom 26. April 1945 wurden auf einem Flug der Maschine des Typs Mosquito XVI, Registrierung NS 578., gemacht.
Besatzung Flight Lieutnant Powell (Träger des DFC = Distinguished Flying Cross) und Flying Officer Townshend (Träger der DFM = Distinguished Flying Medal).
Einheit: No. 540 Squadron der Royal Air Force [1], kommandiert von Wing Commander A.H.W. Ball [2](1921 - 2012), der später britischer Air Marshal wurde.
Start vom Flughafen Coloummieres in der Nähe von Paris um 09.20 Uhr, Landung 12.50 Uhr.
Auftrag: Fotoerkundung des Raumes Salzburg - Wels - Ried
Alle Zielpunkte wurden fotografiert, keine Vorkommnisse.
Registrierungscode der Fotos 104 W / C.166

Chronik der letzten Kriegstage in Braunau/Simbach [9]

30. April 1945

Erste und letze Bombenopfer des Krieges:1 Ein Flugzeug warf vormittags Bomben auf das Postamt in Simbach und auf das Bahngelände in Braunau, das selbst nicht getroffen wurde. Eine Bombe traf aber das Siedlungshaus in der Josef-Reiter-Straße in Höft und tötete in dem behelfsmäßigen Luftschutzkeller alle Hausbewohner: Frau Amalie Waglhuber (44), ihren 12-jährigen Sohn Wilhelm, Frau Johanna Fischer (40) und deren 11-jähriges Töchterlein Ursula. Der beim Bombenwurf auf das Postamt Simbach schwer verletzte Postschaffner Heinrich Penninger starb am 2. Mai im Krankenhaus in Braunau.

Die Hinrichtung von Georg Hauner aus Simbach/Inn

Am selben Tage abends gegen 21.00 Uhr wurde in Thal, am Rande der Innau, nahe dem Lechnergut (heute Stadtgut), der Soldat Georg Hauner, 20 Jahre alt, der in Simbach, Flurstraße 4, (Heraklithsiedlung) zu Hause war, wegen Fahnenflucht erschossen und an Ort und Stelle begraben. Seit Jahren erinnert ein Marterl daran. Die Leiche Hauners wurde am 7. Jänner 1946 ausgegraben und im Familiengrab seiner Mutter - geborene Gerner - im Friedhof von Ranshofen beigesetzt.

Georg Hauner war von einem Wiener Lazarett beim Anmarsch der Russen nach Hause beurlaubt worden und hätte am 25. oder 26. April wieder zu seiner Einheit nach Augsburg einrücken sollen. Hauner wollte angesichts des Vordringens der Amerikaner deren Ankunft zu Hause abwarten. Er ist aber offenbar verraten worden und wurde am 30. April vormittags in Simbach vor ein Standgericht gestellt. Es wurde auf Betreiben eines SS-Majors eingerichtet und dafür auf seine Aufforderung der Gerichtsoffizier des Braunauer Ersatzbataillons II/482, Dr. Brixner, als Vorsitzender des Standgerichts bestellt.

Das Standgericht, das sich - außer Dr. Brixner - noch aus einem Obergefreiten des Braunauer Bataillons und einem unbekannten Hauptmann zusammensetzte, fällte nicht das erwartete Todesurteil, sondern trat den Fall an das ordentliche Divisionsgericht ab, was praktisch einem Freispruch gleichkam, weil ja die US-Truppen schon unmittelbar vor Simbach standen. Auch in einem zweiten Fall von Fahnenflucht wurde so entschieden. Dieses Urteil des Standgerichtes, das Hauner retten wollte, wurde von dem betreibenden SS-Major nicht anerkannt, das Standgericht aufgelöst und ein neues gebildet, das dann das geforderte Todesurteil gegen Hauner aussprach.

Der Major erschien dann gegen 18.00 Uhr in der Kaserne in Braunau mit dem Todesurteil und forderte die sofortige Exekution, die er selbst leitete. Der Name des Majors war den Zeugen nach dem Kriege nicht mehr bekannt. Die Untersuchung der Gendarmerie Braunau erhob zwar den Verdacht gegen eine bestimmte Person in der Bundesrepublik, doch konnte er nicht bestätigt werden.

1. Mai 1945

Sirenenalarm kündigte die Brückensprengung an. Sie erfolgte um 12 Uhr. Die Straßenbrücke flog mit zwei Wasserpfeilern in die Luft. Die Tragwerke stürzten, mit Ausnahme des Tragwerkes über das Überschwemmungsgebiet in Simbach, ab. Durch den Luftdruck und durch Trümmer wurden Dächer beschädigt. Die Amerikaner zeigten ihre Ankunft durch zwei Panzergranatenschüsse in den Braunauer Kirchturm an. Eine traf das Zifferblatt. Die Turmuhr blieb um 12.45 Uhr stehen. Ein zweiter Schuß riß ein Loch in die Kuppel. Die Eisenbahnbrücke wurde erst am Nachmittag gesprengt, weil der Sprengoffizier wegen des amerikanischen MG-Feuers nicht an den Zündhebel hatte herankommen können. Abgesprengt wurden die vier Tragwerke über Wasser und der Pfeiler am Braunauer Ufer. Vereinzelte Granatschüsse trafen die Stadt Braunau. Die Umgebung stand unter leichtem Störfeuer, insbesondere Burgkirchen. Durch einen Granattreffer im Transformator im Hintergebäude des Rathauses wurde die Stromversorgung der Innenstadt lahmgelegt. Durch Granatsplitter wurde vor dem Rathaus der aus Wien stammende Polizeioberleutnant Leopold Raab so schwer verletzt, dass er am 2. Mai im Krankenhaus starb. Ein Versuch, auf dem Stadtplatz Braunau weiße Fahnen zu hissen, misslang.

2. Mai 1945

Die Nacht in der Stadt Braunau war verhältnismäßig ruhig verlaufen. Das amerikanische Störfeuer bestrich vor allem Zufahrtswege, insbesondere im Raum von Burgkirchen, wo schwere Schäden, u. a. am Kirchendach, angerichtet wurden. In der Nacht hat es geschneit. Die Ereignisse dieses Tages wurden im Zusammenhang geschildert. Festzuhalten ist, dass sich ohne Nachrichtenmittel durch mündliche Weitergabe und Mundpropaganda rasend schnell die Nachricht von dem amerikanischem Ultimatum - das Gerücht hatte sich als richtig herausgestellt - und die Aufforderung zur Hissung weißer Fahnen und zur Demonstration vor der Kaserne verbreitet haben.

Übergabe und Besetzung waren ohne Menschenopfer verlaufen. Nachts gab es das einzige Todesopfer der Besetzung: Ein Wehrmachtsfahrer aus Wien namens Wiederwert, hatte in Zivil um 22 Uhr, zu Zeit des Ausgangsverbotes, ein Mädchen heimbegleitet und war in der Berggasse auf Anruf eines US-Soldaten nicht stehengeblieben und davongelaufen. Er wurde von einer Maschinenpistolengarbe im Rücken tödlich getroffen.

Auf einem Abstellgleis des Bahnhofes sind Waggons, darunter zwei Waggons mit Butter, zerstört und verbrannt worden. Am 2. Mai wurde noch die Eisenbahnbrücke über die Mattig gesprengt, sodass Braunau bis zur Fertigstellung der Behelfsbrücke - Mitte Juni - von Zügen nicht angefahren werden konnte.

Nach dem 2. Mai

Amerikaner marschieren in Braunau ein, 2. Mai 1945[10]:

Die 13. US-Division setzte auf einer Pontonbrücke unterhalb der Straßenbrücke über den Inn. Die Überfahrt dauerte Tag und Nacht. Die Truppen stießen rasch nach Osten vor. Da ostwärts keine Brücken mehr gesprengt waren, verblieben die Brückenpioniere der 13. Division längere Zeit in Braunau. Die Pioniere hatten die Pontonbrücke an den Tragwerken der gesprengten Brücke verankert. Dadurch wurden infolge der starken Wasserströmung des hochgehenden Inn die Tragwerke verformt, ihre Hebung auf provisorische Joche für eine Behelfsbrücke war damit verunmöglicht worden. Die Eisenbahnbrücke wurde mit einem Kriegsbrückengerät, das heute noch dient, wiederhergestellt und am 18. Dezember 1946 eröffnet. Der Neubau der Straßenbrücke zog sich längere Zeit hin. Sie wurde für den Fußgängverkehr zu Weihnachten 1950 (22. Dezember), für den Fahrverkehr zu Pfingsten 1951 (Mittwoch, 16. Mai) eröffnet. Bis dahin diente die Seilfähre dem Personenverkehr. Der Fahrverkehr mußte die Umwege über den Staudamm von Ering - der dafür aber wieder gesperrt wurde - und über Burghausen abgewickelt werden.

245th Engineer Combat Battalion: Bridging the Inn River at Braunau, Austria

The 636 foot M-2 Treadway Bridge over the Inn River between Simbach, Germany and Braunau, Austria built by 245th Engineer Combat Battalion with assistance from the 179th Engineer Combat Battalion and the 995th Treadway Company. It was built on May 3 & 4, 1945 in just 17 hours during adverse weather conditions. Elements of the 80th Infantry Division quickly crossed the river and moved on into Austria on May 5th. On May 6, 1945, on the eve of the end of the war in Europe, two members of Company B of the 245th, Corporal Clifford G. Barry [Marblehead, Massachusetts] and Private Richard L. Felt (Waltham, Massachusetts) were drowned while struggling to maintain it. Corporal Barry was awarded the Bronze Star posthumously. The river current was reported as 10 feet per second. This was the first bridge built by U.S. Army Engineers across the Inn River from Germany to Austria. It was destroyed by flood water on May 12, 1945.

70 Jahre danach: Das Ende des Zweiten Weltkrieges [11]

Am 29. März 1945 betrat die Rote Armee erstmals bei Klostermarienberg, Ortsteil der burgenländischen Gemeinde Mannersdorf, Boden des früheren Österreichs, zu diesem Zeitpunkt allerdings Teil des Deutschen Reiches. Damit begann eine Phase, in der das nationalsozialistische Regime sein Gewaltpotential noch einmal intensivierte. In den 41 Tagen bis zum Kriegsende am 8. Mai fielen tausende Menschen dem Krieg und dem NS-Terror zum Opfer. Während am 27. April 1945 Vertreter von ÖVP, SPÖ und KPÖ die „Unabhängigkeitserklärung“ unterzeichneten, mit der die Wiederherstellung der demokratischen Republik Österreich proklamiert und „der im Jahre 1938 dem österreichischen Volke aufgezwungene Anschluss“ für „null und nichtig“ erklärt wurde, eskalierten Gewaltverbrechen des NS-Regimes, das bis zur letzten Minute versuchte, sein Terrorsystem aufrecht zu erhalten. In Todesmärschen wurden ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter von den Schanzarbeiten des „Südostwalls“ nach Mauthausen getrieben. KZ-Insassen, politische Häftlinge und Kriegsgefangene wurden systematisch ermordet. NS-Getreue fahndeten nach Oppositionellen und Untergetauchten, Denunziationen führten zu Hinrichtungen. Fliegende Standgerichte verurteilten hunderte „Deserteure“ zum Tode.

Tragische Ereignisse kurz vor Kriegsende

Erscheinungen des „Endkampfes“ waren auch in Braunau und Umgebung nicht ohne Konsequenzen: Tausende Kriegsgefangene aus dem Lager Krems-Gneixendorf wurden vor der heranrückenden Roten Armee nach Westen getrieben und kamen nach einem fast dreiwöchigen Marsch am 25. April 1945 im Weilhartsforst bei Überackern an. In einem improvisierten „Lager“ sahen sie einem ungewissen Schicksal entgegen, bis am 2. Mai amerikanische Truppen auf das Lager stießen und die Versorgung organisierten. Den Marsch von 500 bis 600 rumänischen Kriegsgefangenen aus Wien- Ottakring überlebten lediglich 300 bis 400 Menschen, die anderen waren unterwegs an Entkräftung gestorben oder von der SS-Begleitmannschaft erschossen worden.
Seit Jahren erinnert ein Marterl an eine Hinrichtung am Rande der Innau im Städtischen Augut: Am 30. April 1945 gegen 21 Uhr – Adolf Hitler und Eva Braun hatten am selben Tag um etwa 15.15 Uhr Selbstmord begangen – wurde der 20-jährige Soldat Georg Hauner, der in Simbach zu Hause war, wegen Fahnenflucht erschossen und an Ort und Stelle begraben. Erst am 7. Jänner 1946 wurde der Leichnam exhumiert und im Familiengrab seiner Mutter in Ranshofen beigesetzt. Georg Hauner war von einem Wiener Lazarett beim Anmarsch der russischen Truppen beurlaubt worden und hätte am 25. oder 26. April wieder zu seiner Einheit nach Augsburg einrücken sollen, wollte jedoch angesichts des Vordringens der Amerikaner (sie waren am 28. April kampflos in das schwer zerstörte Augsburg eingezogen) deren Ankunft zu Hause abwarten. Er wurde aber offenbar verraten, verhaftet und auf Betreiben eines SS-Majors am 30. April vor ein Standgericht unter dem Vorsitz von Dr.Brixner, Gerichtsoffizier des Braunauer Ersatzbataillons II/482, gestellt. Das Standgericht fällte nicht das erwartete Todesurteil, sondern trat den Fall an das ordentliche Divisionsgericht ab, was einem Freispruch gleichkam, weil am 30. April die US-Truppen schon unmittelbar vor Simbach standen. Dieses Urteil erkannte der SS-Major jedoch nicht an, er löste das Standgericht auf und bildete ein neues, das das geforderte Todesurteil aussprach. Der Major erschien gegen 18 Uhr in der Kaserne in Braunau und forderte die sofortige Exekution, die er selbst leitete. Alle Versuche, den Verantwortlichen nach dem Krieg zur Rechenschaft zu ziehen, verliefen im Sand: „Der Name des Majors war den Zeugen nach dem Kriege nicht mehr bekannt. Die Untersuchung der Gendarmerie Braunau erhob zwar den Verdacht gegen eine bestimmte Person in der Bundesrepublik, doch konnte er nicht bestätigt werden.“

Übergabe in letzter Minute

Der Befreiung Braunaus durch amerikanische Soldaten gingen Aktionen voraus, die von großer Zivilcourage zeugten, andererseits Einsicht in die realen Verhältnisse widerspiegelten. Am 30. April waren vier Menschen in Laab durch eine Bombe getötet, am 1. Mai die beiden Innbrücken gesprengt worden. Amerikanische Truppen erreichten am 1. Mai Simbach. Am Morgen des 2. Mai überbrachte der Simbacher Bürgermeister das Ultimatum, Braunau habe sich bis 12 Uhr kampflos zu ergeben oder werde zerstört. Am 2.Mai hatte der Reichsrundfunk auch die Nachricht vom Tod Hitlers verbreitete. Die US-Truppen am Simbacher Ufer hatten den Befehl, Braunau zu beschießen, wenn die Stadt nicht fristgerecht übergeben werde. Bürgerinnen und Bürger hissten nun weiße Fahnen, demonstrierten vor der Salzburger- Tor-Kaserne, setzten sich über Maßnahmen des Kreisleiters Mag. Fritz Reithofer hinweg und überzeugten den Stadtkommandanten Major Wilhelm Grünwaldt davon, Braunau zu übergeben. Zivile und militärische Parlamentäre überbrachten wenige Minuten vor Fristende die Erklärung der Räumung der Stadt. So betraten ab etwa 15 Uhr amerikanische Soldaten des 67th Armored Infantry Battalion (vergleichbar Panzergrenadieren) die von den deutschen Soldaten geräumte Stadt. Die Geschehnisse im Einzelnen sind verschiedentlich dargestellt worden, nicht zuletzt dokumentenbasiert auf der Website www.braunau-history.at.

Kreisleiter Reithofer, der bis zum 2. Mai am Befehl des Gauleiters Eigruber, die Stadt unter allen Umständen zu verteidigen, festgehalten hatte, setzte sich nach Mauerkirchen ab und verschwand – er war in den Kriegswirren nicht ausfindig zu machen und wurde am 8. Dezember 1951 für tot erklärt. Er war allerdings nach Aussage seiner Witwe (Interview mit dem Verfasser am 12. Mai 2014) „gegen den Strom“ in seine Heimat Mautern bei Krems (in der russischen Zone) geflüchtet und hatte sich bei Verwandten versteckt. Durch die russische Zone gelangte er ins Mühlviertel und über die „grüne Grenze“ nach Passau. Am 18. Dezember 1952 schrieb er an das Landesgericht Linz, das Untersuchungen gegen ihn in Abwesenheiteingeleitet hatte. Die Todeserklärung wurde 1956 aufgehoben. Da es nicht gelang, Reithofers Beteiligung an Anschlägen in den 1930er Jahren zu beweisen, wurde die Voruntersuchung gegen ihn Ende 1966 eingestellt. Reithofer arbeitete als Apotheker in Pfarrkirchen, wo er am 10. Juli 1992 im 99. Lebensjahr starb und auch begraben ist.
1945 wurde Österreich befreit – die individuelle Beurteilung der Befreiung ist allerdings oft ambivalent, zumal diese mit dem Begriff „Besatzung“ verbunden wird. Unbestritten und anerkennenswert sind die gewaltigen Opfer, die dieA lliierten und insbesondere auch die Sowjetunion (allein im Kampf um Wien fielen mehr als 18.000 Sowjetsoldaten) zur Befreiung Österreichs von der NS-Herrschafterbrachten. Bundespräsident Dr. Heinz Fischer sagte am 27. April 2015: „Die Alliierte Besatzung war zwar eine drückende Last mit Übergriffen, Menschenrechtsverletzungen und Willkürakten. Aber sie hat den Wiederaufbau Österreichs als demokratisches Land mit europäischen Werten nicht verhindert und damit den Weg von der Befreiung im Jahr 1945 zur vollen Freiheit im Staatsvertragsjahr 1955 ermöglicht.“

Einzelnachweise

  1. Hans Fink, Dr.: Das Kriegsende 1945 am Inn. Erinnerungen an das Kriegsende in Braunau und Simbach am 2. Mai 1945. Heimat am Inn Band 1, Simbach am Inn (Verlag Vierlinger) 1972, S. 100 - 113.
  2. Hans Fink, Dr.: Das Kriegsende 1945 am Inn. Erinnerungen an das Kriegsende in Braunau und Simbach am 2. Mai 1945. Heimat am Inn Band 1, Simbach am Inn (Verlag Vierlinger) 1972, S. 100 - 113.
  3. Hans Fink, Dr.: Das Kriegsende 1945 am Inn. Erinnerungen an das Kriegsende in Braunau und Simbach am 2. Mai 1945. Heimat am Inn Band 1, Simbach am Inn (Verlag Vierlinger) 1972, S. 100 - 113.
  4. Hans Fink, Dr.: Das Kriegsende 1945 am Inn. Erinnerungen an das Kriegsende in Braunau und Simbach am 2. Mai 1945. Heimat am Inn Band 1, Simbach am Inn (Verlag Vierlinger) 1972, S. 100 - 113.
  5. Wilhelm Grünwaldt, Teildarstellung der militärischen Lage in und um Braunau zu Kriegsende, Niederschrift, 6. Oktober 1982
  6. Danzinger, Franz, Wie ich das Kriegsende in Braunau erlebte, persönliche Aufzeichnung, Wien, 16. Oktober 1982
  7. Der Text von Anton Platt "So erlebte ich die Übergabe der Stadt" wurde im Buch "Endlich vorbei" abgedruckt, das der Verein für Zeitgeschichte herausgegeben hat; Verlag innsalz / W. Maxlmoser.
  8. How Hitler's Home Town Ended The War, Joseph W. Eaton, Professor of Economic und Social Development, University of Pittsburgh, Pennsylvanaia
  9. Hans Fink, Dr.: Das Kriegsende 1945 am Inn. Erinnerungen an das Kriegsende in Braunau und Simbach am 2. Mai 1945. Heimat am Inn Band 1, Simbach am Inn (Verlag Vierlinger) 1972, S. 100 - 113.
  10. Amerikaner marschieren in Braunau ein, 2. Mai 1945, Austria-Forum
  11. Florian Kotanko, Mag.: 70 Jahre danach: Das Ende des zweiten Weltkrieges, Braunauer Stadtnachrichten, Nr. 168, Seite 34